Kasachstan

Durch die Wüste und Steppe von Kasachstan zu radeln war eine enorme körperliche und mentale Herausforderung. Die Hitze war enorm, die Luft extrem trocken und oft sehr staubig. Schatten gibt es nicht. Von Aktau aus wird die Straßenqualität kontinuierlich schlechter, bis 45km nach Shetpe der Asphalt für hunderte Kilometer komplett aufhört und die Piste über Steinbrocken, Staublöcher, Sand und Querrillen führt. Man kann es kaum beschreiben, jeder Forstweg in Österreich ist eine Autobahn dagegen. Mit 6-10kmh wird man brutal durchgerüttelt, die Räder sind vom vielen mitgenommenen Wasser und Essen nochmal schwerer. (Bis zu 15L/Person)

Die Versorgung unterwegs war dann doch besser als befürchtet. Ca. alle 50km ein Minirestaurant, wo man bekommt, was gerade da ist. Das ist oft nicht viel. Mal ein Snikers, Eier, Packerlsuppe, die ich schonmal nicht ess und Gerd auch nicht gut vertrug. In Fett schwimmende Kartoffeln mit Fleisch/Knochen drüber, obwohl man 10x erklärt hat, dass ich NUR Kartoffeln, also Kartoffeln OHNE Fleisch will, und sie meint, dass sie verstanden hat…
Aber Wasser und Tee gibt es immer, oft auch Eistee und Cola und manchmal sogar gekühlt.
So wird trockenes Brot mit Dosenananas zum echten Frühstücks-Highlight und Milchreis aus Milchpulver zur optimalen Hauptmahlzeit. Soetwas können wir jedoch nur begrenzt mitnehmen und abgesehen davon siehts (vorallem für mich) echt mager aus…
Beide denken wir häufig an leckeres Essen, das uns hier fast wie der größte, unerreichbare Luxus erscheint.

Die Strecke über Beyneu ist eine wichtige Transitstrecke nach Ostkasachstan oder Usbekistan führt. (Unglaublich, dass die “Straße” dennoch derart übel ist.) Trucks aus Türkei, Aserbaidschan, Bulgarien, Weißrussland, Slowakei, Deutschland, Russland, Polen,… transportieren allerlei Zeug hier herum, z.B. Sachen für die Nato nach Afganisthan, oder dicke Frauen nach Turkmenistan ;-)… (So hat Gerd zumindest die panthomimische Darstellung des Fahrers gedeutet, als wir ihm nach seiner Fracht fragten…)
Mit den Lkw-Fahrern haben wir ein sehr gutes Verhältnis, auch wenn uns jeder vorbeikommende in einer Staubwolke versinken lässt. Viele bieten uns Wasser oder Saft an und wollen uns überzeugen, unsere Räder bei ihnen hinten aufzuladen. “Die Straße ist noch 200km so schlecht!” “Das wissen wir…” Ungläubiges Kopfschütteln und Lachen…

Die vorbeiziehende Landschaft ist dabei so monoton, dass es schon wieder beeindruckend ist. Tagelang das gleiche Bild. Die Landschaft ändert sich langsam von Steppe in Wüste und wieder zurück, ab und an kommt man bei total bizarren Felsformationen vorbei. Plötzlich ein Wasserloch, aus dem man Pferde hochschreckt, die davongaloppieren. Manchmal stehen Kamele rum und schauen uns nach. Hin und wieder flitzen kleine Sandteufel über das Land oder schrauben sich lokal hoch bis in den Himmel hinauf, bevor sie sich auflösen. Toll anzusehen, solang man nicht von sowas erwischt wird. Sonst immer das genau gleiche Bild, so wie vor 10km, 40km, vor einem Tag oder vor einer Woche. Unglaublich…

Wir stehen um halb 5 auf, um im Dunklen die Sachen zu packen und mit Sonnenaufgang loszufahren. Meist sind wir dann bei der nächsten Versorgungsstelle, bis mittags die brutalste Hitze losgeht, die sich bis 7 am Abend hält. Den einen Tag, den wir bis in den frühen Abend hinein unterwegs waren, habe ich mit totaler körperlicher Erschöpfung bezahlt. Am nächsten Tag ging garnichts und erst Tage später war ich wieder ganz fit. Wir haben daraus gelernt…

Zu den Menschen in dieser Region Kasachstans ist zu sagen, dass sie schon komisch sind. Wir haben auch viele positive Begegnungen gehabt, doch prinzipiell sind sie hier unfreundlich und misstrauisch. Vorallem die Frauen in den Minirestaurants sind (mit einer tollen Ausnahme) desinteressiert, begriffstutzig, unfreundlich und teilweise regelrechte Schrecksschrauben. Die Männer sind oft auch unhöflich und stehen da und beglotzen dich wortlos. (Ich schreibe das nicht gerne, war leider aber so)

Kasachstan war bislang mit Abstand die härteste Etappe dieser Reise.
Eigentlich wissen wir jetzt garnicht, wielange wir in diesem heißen, kargen Klima unterwegs sein werden…

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