Kashgar – China

Am 23. Oktober sind wir entgültig von Osh weggefahren und haben uns vorgenommen, diesmal wirklich langsam wieder anzufangen. Eine weitere Erkrankung in den Bergen sollte nicht passieren…

Wir merkten sobald wir auf den Rädern saßen, dass wir über 3 Wochen nicht gefahren waren. Sie waren plötzlich so schwer… 😉
Außerdem war es inzwischen kalt geworden und wir wussten, dass wir in den Bergen mit ziemlich niedrigen Temperaturen konfrontiert sein würden.
Wir waren mit unserer Gesundheit also lieber vorsichtig.

Es ging kontinuierlich hoch und bald wartete der erste Pass auf uns. Tagsüber war es recht kühl, aber angenehm solange wir fuhren, abends und morgens war es meist sehr kalt.
In der Früh war das Wasser gefroren und das Zelt war von Eis überzogen.
Die ganze Konzentration war darauf gerichtet, mit diesen Bedingungen zurechtzukommen. Morgens Minusgrade, tagsüber bergauf nicht zuviel schwitzen, um sich bei den Abfahrten nicht zu verkühlen, abends Zeltplatzsuche wo möglichst die Morgensonne hinkommt, dann schnell in trockene Kleidung, Zelte aufbauen, Kochen, Essen und so schnell als möglich in den Schlafsack, um hoffentlich bald warme Fuesse zu bekommen…
Nur einen Abend war es erstaunlich warm und wir blieben noch etwas draußen sitzen, um Mundharmonika zu spielen und Sterne zu schauen.

Die Landschaft, durch die wir fuhren war dabei unbeschreiblich schön. Wir folgten einem Flusslauf aufwärts und das tiefblaue Wasser war ein starker Kontrast gegen die ockerfarbenen Berghänge und die im Herbstlaub rot leuchtenden Bäume.
Nach dem Taldykpass (3615m) kamen wir für mehrere Tage auf ein Hochland auf ca. 3300m, das vom Chong-Alau-Gebirge begrenzt ist, dessen Gipfel bis über 7000m reichen – Schneebedeckte Berge soweit das Auge reichte.

Dort oben hatten wir auch den bislang härtesten Tag dieser Reise: Ein eisiger Sturm fegte ungebremst über das Grasland und zwang uns beinahe in die Knie. Man konnte kaum atmen. Außerdem kam er natürlich genau von vorne und obwohl es recht eben war, kamen wir nur mit 7km/h voran. Es war unerbitterlich, doch wenn man stehen blieb, begann man sofort zu frieren, trotz Haube, Handschuhen und 5 Kleidungsschichten. Dass der Himmel wolkenlos war und die Höhensonne grell herunter brannte, brachte an dem Tag keine Wärme.
Die Kälte saugte die Energie richtig aus dem Körper, die Luft war extrem trocken und die Augen brannten.
Nach 20km purem Kampf waren wir recht am Ende, um uns war nichts und niemand, nur Grasland und Berge, eine ewig lange Straße und der Sturm.
Keine Autos, keine Häuser und schon garkeine Menschen. Für unseren Kocher hatten wir nur Diesel (statt Benzin) bekommen und der würde sich bei solchen Bedingungen nicht anzünden lassen.
Da tauchte hinter einer Kuppe ein einsam herumstehender Wagon auf. Wenn der offen ist… War er nicht, aber wozu haben wir Werkzeug dabei?! 😉
Selbst im Inneren des Wagons fror über Nacht das komplette Wasser. Sogar drinnen brauchten wir 3 verzweifelte Stunden, um den Kocher zum Laufen zu bringen…
Am nächsten Tag war der Sturm vorbei, als nächste Herausforderung wartete der bislang höchste Pass mit 3770m…

Mit den Menschen auf der Strecke von Osh zur Grenze hatten wir wieder durchwegs gute Erfahrungen gemacht, die Kinder brüllten “Bye,bye” und “Hello Tourist” und sind vor lauter Übermut schon mal vor die Räder gehüpft.

Der Grenzübegang zu China war trotz freundlicher, hilfsbereiter Grenzsoldaten der aufwändigste überhaupt. 2 Tage hat es gedauert, etliche Passkontrollen, jede einzelne Tasche 2x gescannt und 1x komplett ausgeräumt (inklusive Erklärung für jedes einzelne Teil). Ich wurde aufgefordert, das Foto vom Reiseführer mit dem Übersichtsplan von China zu löschen, da Taiwan nicht drauf war. “Where is this book?” Wenn ich es hätte, bräuchte ich das Foto nicht…

Dann waren wir tatsächlich in China! 🙂
2 Tage später hatten wir Kashgar erreicht. Die erste Dusche nach 12 Tagen war der absolute Luxus!!!

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