Noch immer Kashgar – China

Kashgar ist eine pulsierende Stadt. Überall gibt es was zu sehen, das Leben pulsiert.
Hier leben neben den Han-Chinesen viele Uiguren.

Die Uiguren sind das östlichste der Turk-Völker. Turkvölker sind in ihrer Sprache und Kultur quasi mit den Türken verwandt und man findest sie in ganz Zentralasien. So waren von unseren bisherigen Reiseländern neben Albanien und Türkei auch Aserbaidschan, Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan muslimische Länder.

Die Uiguren sind in China eine Minderheit, die stark unterdrückt wird und bei der es immer wieder zu brutal zusammengeschlagenen Aufständen kommt. Kashgar ist die inoffizielle Hauptstadt dieses Volkes und die Chinesische Regierung möchte aus “Erdbebenschutzgründen” die gesamte Altstadt plätten.

In Kashgar findet das ganze Leben direkt auf der Straße statt. Es wird gekocht, geschlachtet, rasiert, gehandelt, Handwerker sitzen in offenen Läden oder direkt auf den Straßen der Altstadt und gehen ihrem Gewerbe nach. Dazwischen flitzen Unmengen Elektro-Scooter im nie endenden Hupkonzert herum, wuseln die Menschenmassen herum und ab und an zwängen sich Autos durch.

Auf den Hauptstraßen sieht es freilich anders aus, da sind mehrere Spuren, jeweils auch eine extra für Radfahrer und Scooterfahrer. Dieser Tage ist wegen dem aktuellen Machtwechsel in China auch viel Polizei anwesend.

Die Altstadt Kashgars besteht aus vielen verwinkelten, staubigen Gassen, wo Handwerker ihre kleinen Läden und Werkstädten haben. Wie am Bazar ist alles nach Disziplinen geordnet und so gibt es Tischler, Schmiede, Töpfer usw jeweils in eigenen Strassen.
In der Fell-Hut-Produktions-Gasse hängen aussen an den Läden die Tierfelle, unter denen die Männer sitzen und Hüte zurechtschneiden und nähen.
Im ersten Moment dachte ich, mich geirrt zu haben… Aber bei einem Laden hingen tatsächlich auch TIGERFELLE!!!
In den wenigen Tagen, die wir jetzt in China sind, haben wir ja schon einiges gesehen – getrocknete Lurche, vom Dach hängende Schlangenhäute, Seesterne, gerolltes Schlangenfleisch am Teestand (?!) und allerlei undefinierbares Zeug.
Aber die Tigerfelle haben mich echt geschockt und als uns der Verkäufer anbot, einen Tiger-Fell-Hut für uns zu machen, suchten wir schnell das Weite…

Das Sightseeing hat neben der Altstadt, dem Stadtsee, einem Mausoleum und der riesigen Mao-Statue leider das öffentliche Spital mit eingeschlossen, da Gerd sich vermutlich eine Lebensmittelvergiftung eingefangen hat. Zum Glück kam Sago, ein Angestellter bei unsrem Hostel mit, denn ich glaube wir hätten nichtmal das Krankenhaus gefunden. (In China sind wir stumme Analphabeten…)

Mein Eindruck von dem Spital war recht zweifelhaft. (Es war ja schon das 4. Krankenhaus dieser Reise. Dass man es nicht mit mitteleuropäischem Standard vergleichen kann, ist klar. Aber was da bezüglich Hygiene geboten wurde – Stichwort Blutabnahme, Toiletten… – echt gruselig!)
Dort haben sie Gerd nach Blutproben usw. dann wieder Antibiotica verschrieben. Nachdem Gerd für 3 Tage wie ein wandelnder Zombie ausgesehen hat, unter massiven Schmerzen und Übelkeit litt und nichts gegessen hatte, war es wohl nötig…

Es ging ihm schließlich etwas besser und wir erledigten einige organisatirische Dinge.
So wirklich verbesserte sich die Situation aber die ganze Woche über nicht und dann kam es wieder zu einem Rückfall.

Jetzt sitzen wir in Kashgar und sind ziemlich ratlos.
Vermutlich werden wir nochmals ins Krankenhaus fahren, aber davon verspreche ich mir nicht viel.
Wo das nächste internationale Krankenhaus ist, wissen wir nicht, aber 1500km wird mindestens weg sein, da sich vor uns die riesige Taklamakan-Wüste ausbreitet.

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