Leben in Bishkek – Kirgistan

Wir haben uns in Bishkek sehr gut eingelebt.
Seit Ende November sind wir am Russisch-lernen und haben 4x pro Woche Privatunterricht an der „London Language School“. Mir macht es recht viel Spass und ich merke, dass langsam wirklich etwas vorran geht. Die Sprache ist kompiziert und recht schwierig, das Alphabet ist anders aber immerhin spricht man die Woerter halbwegs so aus, wie man sie schreibt.

An meinem Geburtstag am 8. Dezember waren wir vormittags im Historischen Museum von Bishkek, welches zwar nicht allzu gross ist, dafuer jedoch wirklich interessante Objekte hatte. Ein grosser Bereich war auch der Revolution und dem Buergerkrieg zwischen Usbeken und Kirgisen im Jahr 2010 gewidmet, bei denen es ca. 2000 Todesopfer gab.

Mit der Zeit trafen wir in den verschiedenen Cafes immer wieder auf die gleichen Leute, die hier voruebergehend an Projekten arbeiten, oder laengerfristig hier leben. Bishkek ist da wie ein Dorf und in der internationalen Community hier kennt echt jeder jeden.Auch mit einigen Einheimischen sind wir inzwischen naeher in Kontakt gekommen, was uns auch die Tore zum SOS-Kinderdorf in Bishkek oeffnete.

Seit unserem ersten Besuch an der Herman-Gmeiner-Schule in Bishkek (an die das SOS-Kinderdorf angeschlossen ist) haben wir einige Unterrichtsstunden der Deutschlehrerinnen dort begleitet. Es macht uns richtig Spass mit den Kindern dort zu arbeiten, die wir mit unseren Geschichten immer wieder zum Staunen bringen.
Als wir dann das Kinderdorf selbst besichtigen durften, kamen jedoch wir selbst nicht mehr aus dem Staunen heraus!

Was auch immer wir uns erwartet hatten, wurde bei weitem uebertroffen!!!

Es ist eine wunderschoene Ansammlung von kleinen, gemuetlichen Haeuschen, wo bis zu neun Kinder mit einer „fixen Mutter“ zusammenleben. Es gibt einen riesigen Garten, Spiel- und Sportplaetze und einen eigenen Kindergarten. Die Atmosphere war warm und die beiden Maedchen, die uns ihr Zuhause zeigten fuehrten uns gerne herum und erzaehlten von ihrem Leben hier.

Dass man hier wirklich ein warmes Zuhause fuer die Kinder errichten wollte, sieht man auch an kleinen Details, wie den bunten, von den Kindern selbst dekorierten Raumen oder an den Pinguin-foermigen Abfalleimern…

Wir waren jedenfalls sehr beeindruckt und sicher nicht zum letzten mal dort. Wir werden eine Patenschaft uebernehmen und auch fuer den Deutschunterricht haben wir unsere Hilfe angeboten. Ab Jaenner werden wir regelmaessig in den Deutsch-Stunden mit den Kindern arbeiten.

Am 24. Dezember wurden wir zu der Weihnachtsfeier der Schule eingeladen, und die Vorfuehrungen der Kinder waren wirklich suess! Neben dem klassischen Krippenspiel trugen sie auch Gedichte und Weihnachtslieder in deutscher und englischer Sprache vor.

Anschliessend hielten Gerd und ich eine Praesentation ueber „Weihnachten in Europa“, die fuer die anderen Gaeste direkt auf russisch uebersetzt wurde. Vorallem die Fotos vom Christkindlmarkt und den Weihnachtskeksen bewirkten erstaunte Ausrufe und grosse Kinderaugen…

Am Abend des 24. feierten wir in einer grossen Runde bei Kathy aus Australien und Mike aus USA unser Weihnachtsfest. Die gesamt 28 Gaeste kamen aus aller Welt und neben uns haben sich noch 5 weitere Reiseradler eingefunden. Es war super gelungen. Jeder hat selbstgemachtes Essen und ein kleines Geschenk mitgebracht und nachdem sich alle kennengelernt hatten wurden diverse Musikinstrumente herausgekramt und die Stimmung so richtig angeheizt…

Gerd und ich waren lang nach Mitternacht die ersten Gaeste, die sich auf den Heimweg machten, da wir am naechsten Morgen um 8:30 wieder in unseren Russischstunden auftauchen mussten.

Seit November haben wir ausser einigen naechtlichen Spaziergaengen praktisch keine Bewegung mehr. (Ich gehe so gern im Dunklen, doch Gerd hat schon recht, dass man dabei verdammt aufpassen muss in Bishkek. Es gibt Loecher im Boden, fehlende Kanaldeckel, spiegelglatte Eispanzer ueber den Gehwegen und Stufen, ploetzliche Eisenstangen oder Betonbloecke, die aus dem Boden hervorragen…)

Immernoch warten wir auf das Anfang Dezember weggeschickte Paket aus Wien, dass unsere Laufschuhe enthaelt. Gestern wurde es es dann aber zuviel der Faulheit und wir fuhren raus auf den noerdlich der Stadt gelegenen Dordoy-Bazar, um billige, chinesische Laufschuh-Imitate zur Ueberbrueckung zu kaufen.

Der Dordoy-Bazar ist der groesste Warenumschlagsplatz Zentralasiens und versorgt alle umliegenden Laender mit billiger Ware aus China. 20.000 Menschen arbeiten dort. Es ist wie eine riesige Stadt aus Schiffs-Kontainern, die in zwei Stockwerken uebereinander gestapelt sind.

Jeder Konatiner ist ein eigener Shop, der darueber liegende Kontainer das Lager. Wie auf allen Bazaren gibt es ganze Gassen, in welchen die selben Waren vertreiben werden.

Da es mit -15 Grad hart an Gerds Kaelteresistenz-Grenze war, nahmen wir uns keine Zeit, anderes als die Schuh-Verkaufs-Gasse zu besichtigen. (Jaja, ich habe dafuer im August in der Wueste gelitten wie ein Hund…) Fuer hunderte Meter reihten sich links und rechts die zweistoeckigen Kontainerreihen und boten alles von Highheels, Stiefeln, Pantoffen und Sportschuhen. Fuer umgerechnet 22 und 28 Euro kauften wir uns „original Marken-Laufschuhe“ mit 3 Monaten Garantie. Jaja…

Heute haben wir unsere erste Runde damit gedreht und fuehlen uns nach einer halben Stunde laufen und einigen anschliessenden Dehnuebungen wie neu geboren.

Ich denke wir waren die einzigen Irren in Bishkek, die joggen waren. Zumindest haben uns die Leute demensprechend befremdlich angestarrt…

Uns egal, wir haben uns richtig gut gefuehlt!

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