Kambodscha

Das Monat in Kambodscha ist wie im Flug vergangen. Am Tag der Ausreise dachte ich, dass wir doch gerade erst angekommen sind…

Ich habe euch schon erzählt, wie brutal die letzen verbleibenden Urwälder zerstört werden. Tagelang radelten wir an Brandrodung-Flaechen vorbei. Das war ziemlich deprimierend, vor allem da wir von anderen Radreisenden wussten, dass es im ganzen Land so aussieht.

Deswegen war unser Ausflug ins Tal der Elefanten auch eines unserer Highlights in Kambodscha. Durch einen richtigen Wald zu wandern und die Elefanten bei der Futtersuche zu beobachten war wirklich toll! (Auch dort war es kein ursprünglicher Wald mehr, er hatte aber viele Jahre Zeit, wieder zu wachsen.)

Dann wollten wir von Kratie den Mekong entlang nach Phnom Pen radeln. Doch Gerd hatte sich auf der Busfahrt verkuehlt und war eine Woche lang nicht voll einsatzfähig. So blieben wir erstmal in Kratie. Die Provinzhauptstadt ist im Grunde ein kleines Nest mit dreckig-schmuddeligem Markt, ein paar Tempeln und wenigen Restaurants. In der Woche regnete es oft den halben Tag, so dass auch ich kaum unser spartanisches Zimmer verliess, das eher an eine Gefängniszelle erinnerte. Es war zwar zur Abwechslung mal körperlich entspannend, aber ziemlich fad… Ausserdem fiel das Fahrrad als Transportmittel erst mal aus, da wir aufgrund des Visums schneller voran kommen mussten.

Am Abend bevor wir mit dem Bus in die Hauptstadt Phnom Pen fahren wollten, trafen wir in einem kleinen Restaurant Michael und Kavita. Das deutsche Paar hat vor drei Jahren eine Unterkunft auf einer Insel Kambodschas eröffnet und wollte am nächsten Tag mit dem Minivan nach Phnom Pen fahren. Wir liessen uns gerne mitnehmen und hatten einen wesentlich netteren und stressfreieren Transport als per Bus.

Nach 2 Tagen Phnom Pen, in denen wir uns bloss das Museum und ein wenig das Zentrum ansahen fuhren wir nach Siem Reap.

Einige Kilometer nördlich von Siem liegt Angkor Wat, der Tempel, der einst der Dreh und Wendepunkt einer ganzen Kultur war und auch heute der Nationalstolz Kambodschas ist. Selbst auf der Landesflagge ist die Kontur von Angkor Wat abgebildet.

An die 7 Millionen Touristen jährlich kommen nach Siem Reap um die mystischen Tempelanlagen im Dschungel zu besichtigen. Wir waren also nicht allein. Da das Gelände auf dem die unzähligen Tempel verteilt sind, riesig ist, war das Fahrrad die beste Fortbewegungsart und wir kamen locker auf 39-40 km an jedem unserer 3 Besichtigungstage.

Die Tempelruinen sind jede für sich interessant. Angkor Wat als das absolute Heiligtum strahlt eine enorme Würde aus. Die dutzende Meter langen Reliefs erzählen Geschichten aus längst vergangener Zeit. Kriege auf Elefanten und Pferden geführt, Dämonen und Helden und auch die einfachen Leben der Bauern sind im Sandstein verewigt. Der Tempel wurde um 1100n.Chr als hinduistische Prachtanlage gebaut und wurde später auf den Buddhismus adaptiert.

Ta Phrom ist einer der wenigen Tempel, die teils noch so belassen wurden, wie sie im 19. Jh. wiederentdeckt wurden. Die Sandsteinruine wurde vom Urwald zurückerobert. Unendlich hohe Bäume wachsen aus dem Tempeln, deren Wurzeln die Wände überziehen und den Stein aufbrechen. Diese faszinierende Atmosphäre wurde auch als Schauplatz mehrerer Filme verwendet, wie Indiana Jones und Tomb Raider.

Angkor Thom ist der Tempel der riesigen Gesichter, die hinaus in den Dschungel starren. Unzählige ausdrucksvolle Gesichter, die schweigend seit vielen Jahrhunderte beobachten.

Der Ta Nai Tempel hat uns auch sehr gut gefallen. Von diesem haben wir in einer kurzen Reportage über Steinrestaurierung erfahren und er war der einzige der ca. 6 besuchten Tempeln, der komplett untouristisch war. Als dort auch noch der strömende Tropengewitter über uns hereinbrach, war die verwunschene Atmosphäre komplett.

Weiter fuhren wir schliesslich nach Battambang und zwar per Boot. Zuerst überquerten wir den Tonle Sap, den größten See Südost-Asiens. Es ist überhaupt einer der Fischreichsten dieser Welt, was auf eine interessante Begebenheit zurückzuführen ist:

Der einzige Abfluss leitet das Seewasser in den Mekong ab. Er dreht in der Regenzeit seine Flussrichtung um. Daraufhin hat der See für die nächsten Monate nur Zuflüsse und weitet sich auf einen riesigen Bereich Kambodschas aus. Um dennoch in diesem Ökosystem leben zu können, gibt es am See und vielen der Flüssen schwimmende Dörfer. Häuser, die wie Boote dahin dümpeln, von Bollern getrennt. Schwimmende Märkte, Boote statt Mopeds und kleine Kinder, die in Waschschüsseln am Fluss treiben.

Es kamen immer mehr Leute auf das überfüllte Boot und als ein stundenlanger heftiger Tropenregen einsetzte, konnte man wählen zwischen dem total überfülltenueberfuellten Rumpf oder dem begossenen Dach.

Als letztes kleines Highlight in diesem Land fuhren wir mit dem “Bambootrain” auf der einzigen Bahntrasse Kambodschas. Diese ist schon lange nicht mehr befahrbar, doch Abschnitte davon kann man auf kleinen Bambusplattformen mit einfachem Motor zurücklegen. Da es nur eine Spur gibt, wird bei Gegenverkehr einfach eine Plattform herunter gehoben. Mit bis zu 30km/h holpernd durch die Pampa zu flitzen gab einen Spassfaktor von 100%!

Dann stiegen wir endlich wieder auf die Räder und legten den restlichen Weg zur Thai-Grenze und weiter bis Bangkok wieder klassisch per Rad zurück.

Kambodscha war extrem arm, freundlich, schmutzig, kulturell interessant, von der Ernährung her schwierig (einzige Supermärkte in Siem Reap und Phnom Pen), billig und trotz unbeschreiblich furchtbarer Geschichte voller ruhiger, lächelnder Menschen.

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