Rueckzug nach Kirgistan

Im letzten Bericht habe ich von schweren gesundheitlichen Problemen von Gerd berichtet.
Wir waren schließlich dreimal in Krankenhäusern in Kashgar. Er hat einiges an Medikamenten bekommen, sogar Infusionen, doch die Behandlung war bloß symthomatisch und nicht sehr erfolgreich.
Nachdem 2 Wochen vergangen waren, in denen Gerd großteils unter massiven Schmerzen und Krämpfen im Bauchbereich gelitten hatte und kaum Nahrung behalten konnte, war er extrem geschwächt. Wir mussten eine Entscheidung treffen, wie es weitergehen soll…

Bishkek ist eine Stadt, die wir bereits kennen. Es gibt ein deutsches Spital und wir haben einige Ansprechpersonen dort. Kirgisistan (dessen Hauptstadt Bishkek ist) ist seit Sommer 2012 für uns visumsfrei. Es ist ein guter Platz, um wieder das chinesisches Visum zu bekommen und es ist allzuweit entfernt.
Darum war die Entscheidung nicht schwer, auch wenn wir mal wieder die Räder zurücklassen mussten, diesmal sogar in einem anderen Land. :-/

Die Zeit in Kashgar war für mich mit vielen Sorgen und Stress verbunden. Dennoch hatte ich neben Krankenpflege und Spitalsaufenthalten viel Zeit, die Stadt zu erforschen.
Ich war oft mit Freunden unterwegs, Annika und Roberto (Radlern, die wir bereits in Bishkek getroffen haben) und auch anderen Reisenden.

Beim Abendessen begleitete uns oefters CJ von San Francisco, der ein bisschen chinesisch spricht und noch jedes Mal vegetarisches, leckeres Essen für mich organisieren konnte.
Einen Abend kamen viele Leute zusammen um Karten zu spielen.

Ein anderes Mal blieb ich nachts so lange in Annikas, Robertos und CJs Hostel, dass unser Hostel bereits abgesperrt war. (Was ich vorher nicht wusste…) Zurück bei deren Hostel war dieses auch bereits abgesperrt!
Nachdem ich eine Runde durch die menschenleere, frostige Nacht gedreht hatte, beschloss ich, nicht auf der Straße schlafen zu wollen. Nach 1x tief Durchatmen kletterte ich eine Art Garagentor hoch und rüber zum Balkon, von dem ich zu unserem Zimmer kommen konnte.
Die restlichen Tage legte ich ziemlich Wert darauf, rechtzeitig heimzukommen!

Mit Annika war ich am Tierbazar, wo man Pferde, Kühe, Yaks, Schafe, Ziegen, Kamele,… kaufen kann. Als wir abends heimradeln wollten, trafen wir den Besitzer der Stallungen, der uns prompt auf eine Sightseeing-Tour der anderen Art einlud. (Ich bin noch nie zuvor von einem Kamel geküsst worden. Eigentlich wollten wir nur Fotos machen…)
Am Heimweg begleitete uns Sadik mit seinem Elektroscooter nach Kashgar und Annika, Sadik und ich hatten viel Spaß daran, die Räder/Scooter durchzuprobieren und lustige Videos zu drehen.

Abschied nehmen von lieb gewonnen Menschen ist immer ein bisschen schwierig. Doch im Leben sieht man sich immer mehrmals. CJ wird die nächsten Jahre in China sein. Annika und Roberto haben eine ähnliche Route wie wir…

Unser Weg nach Bishkek waren zwei Flüge:
Gestern von Kashgar nach Urumqui
Heute von Urumqui nach Bishkek

Sowohl in Urumqui als auch in Bishkek gibt es viel frischen Schnee. Schlechtwetter und Schneegestöber erzwang gestern am Weg nach Urumqui eine Zwischenlandung um nachzutanken. Der “Gerd, ich glaub wir sind nicht am richtigen Flughafen gelandet”-Moment war ungut und wir waren froh, als wir schließlich wirklich in Urumqui ankamen.
Die Nacht war dank einiger Stunden Verspätung recht kurz, der Flug heute natürlich auch ziemlich verspätet. (Doch wir waren positiv überrascht, wie gut der Flughafen in Urumqui für solche Witterung ausgerüstet ist.)
Die Sicherheitschecks auf den beiden chinesischen Flughäfen waren extrem:
Alles scannen, Gürtel usw ablegen… Ok!
Aber Schuhe ausziehen, Ganzkörperüberprüfung, Sprengstoffspuren-Analyse mittels Filterpapieren???
Als Gerd in Urumqui seinen Gürtel ablegen sollte, rutschte ihm dank massivem Gewichtsverlusts fast seine Hose runter, was die Frauen am Flughafen mit Entsetzen registrierten. Wir haben lange darüber gelacht und beschlossen, uns in Bishkek nach einer neuen Hose für ihn umzuschauen oder seine enger nähen zu lassen… 😀

Jetzt nach Bishkek zurückzukommen, ins gleiche Quartier und sogar in den gleichen Raum wie vor einem Monat war ein bisschen wie heimkommen. Total erfreut wurden wir begrüßt: “Wie geht es euch? “Wo wart ihr inzwischen?”… Und obwohls nicht kalt war haben wir gleich noch eine extra Heizung ins Zimmer gestellt bekommen.

Gerd gehts zum Glück die letzten 2-3 Tage wieder wesentlich besser und er versucht gerade 2,5 Wochen versäumtes Essen nachzuholen. 😉

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